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Posted by Mirko Böddecker in TIPS & HILFE

Sortimentsbreite: Alles von Super8 bis zum Planfilm?

Unsere Fotopapier-Blattware wird in der größten Sortimentsbreite weltweit angeboten.

Das verleitet natürlich dazu ähnliches auch im Filmbereich zu erwarten. Leider ist es aber bei Film nicht so einfach wie beim Papier.

So können einige Filme z.B. von Super8 bis zum Planfilm andere als Super8 und Kleinbildfilm und wieder andere nur als Planfilm angeboten werden.

Ist das gewünschte Filmformat nicht dabei, stellt sich Enttäuschung ein und wir bekommen eine Email in der z.B. steht: „Warum konfektioniert Ihr den Silvermax nicht als Rollfilm.“

Die Antwort lautet: Weil das nicht geht. Es handelt sich um einen Kleinbildfilm. Rollfilm konfektioniert man aus Rollfilmrohmaterial, Kleinbildfilm aus Kleinbildfilmrohmaterial und Planfilm aus Planfilmrohmaterial. Die Materialien unterscheiden sich in der  Stärke, im Aufbau- in den Gleiteigenschaften und im Anti-Curling. Manches Rohmaterial können wir auch gar nicht in der erforderlichen Breite oder Stärke herstellen oder als Träger einkaufen.

Rollfilm z.B. benötigt im Unterschied zum Kleinbildfilm eine NC Schicht auf der Rückseite damit er sich nach dem Entwickeln nicht kringelt und wird auf ein dünneres Material gegossen um überhaupt auf die Spule mit Wickelpapier zu passen.

Das Hauptproblem im analogen Fotomarkt besteht darin, dass die Mengen sehr stark zurück gegangen sind- die Preise aber nicht einem Ausmaß angehoben werden können um die sich daraus ergebenden Kostensteigerungen in der Produktion zu kompensieren.

Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass jeder der noch verbliebenen, großen Hersteller mit Leichtigkeit die gesamte Porduktionsmenge eines jeweils anderen mit übernehmen könnte. Der resultierende Wettbewerb ist extrem hart. Die Folge ist, dass die Herstellung von Filmen seit ca. 10 Jahren grenzwertig lukrativ bis verlustbringend ist.

Große Firmen haben sich freiwillig aus dem Markt zurückgezogen oder sind insolvent gegangen.

Auch ADOX kann das Rad nicht neu erfinden und auch wir verdienen mit der Herstellung unserer Film nicht annähernd das, was ein Filmhersteller in den 80iger oder 90iger Jahren verdient hat.

Möchte man ein neues Produkt implementieren, entstehen Kosten. Diese Kosten müssen über den Verkauf des Produktes wieder herein gespielt werden. Bei Film kommen da drei Dinge zusammen:

1) Eine sehr geringe Menge an zu erwartenden Verkäufen

2) Ein extrem hoher technlogischer Implementierungsaufwand

3) Ein sehr niedriges Margenniveau in der Ausgangssituation

Das schränkt die Möglichkeiten „mal eben“ etwas neues herauszubringen sehr ein um es vorsichtig auszudrücken.

Sehr oft werden wir auch nach 220er Rollfilmen gefragt. Hier stellt sich die Situation z.B. wie folgt dar.

An einem normalen Rollfilm kann man mit Glück auf einer abgeschriebenen Produktionsanlage die variablen Kosten plus ca. 5% Rendite erwirtschaften. Schief gehen darf natürlich nichts- kaputtgehen auch nicht oder man macht sofort Verluste.

Würde jetzt jemand einen 220er neu herausbringen müsste er schätzungsweise 250.000 bis 500.000 EUR investieren in die Implementierung der Produktion und den Neubau der Maschinen. Danach würde er sicher weniger lukrativ produzieren als der Wettbewerber seine 120er auf seinen abgeschriebenen aber ursprünglich Millionen EUR teuren -bis in die Perfektion optimierten- Maschinen aus der alten Zeit.

Heute wäre es eine teilmanuelle Produktionsweise zu höheren Kosten.

Nun müsste sich der betreffende Neu-Hersteller anschicken diese Kosten auf das Produkt umzulegen.

Der 220er wird also erst einmal 25% teurer, da er teilmanuell gefertigt wird. Abhängig vom Marktvolumen müssen auch die Implementierungskosten umgelegt werden, denn aus 5% Gewinn vor Deckungsbeitrag II kann man sie sich nicht schneiden. Nur auf welche Produktionsmenge lege ich diese um?

Wenn ein Rollfilm 220 25% teurer ist als zwei Rollfilme 120 kaufen ihn nur noch harte Fans.

Die „Masse“ kauft weiter 120er, denn sie haben einen finanziellen Nachteil beim Umstieg auf 220er.

Bleiben jetzt nur noch wenige steigt der Preis stark an, denn ein spürbarer Betrag von den 250.000 entfällt dann auf jeden Film. Dadurch kaufen ihn noch weniger und der arme Neu-Hersteller -so er an diesem Punkt noch existiert- müsste den Preis noch weiter erhöhen und sich noch geringere Stückzahlen einhandeln.

Fazit: So lange wie analogfotografische Materialien im Wettbewerb zueinander stehen und zu Wettbewerbspreisen angeboten werden müssen, wird es mit wirklichen Neuheiten rar bleiben.
Diese werden sich überwiegend weiter in Nischen abspielen, wo eine Monopolartige Struktur etabliert werden kann (Beispiele: Polaroid Sofortbildfilme, 110er, 127er usw.) welche es ermöglicht einen Preis zu fordern, der die Investitionen auch wieder einspielt.