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Haltbarkeit von Entwicklerkonzentraten

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Haltbarkeit von Entwicklerkonzentraten

Uns erreichen zunehmend Fragen von analogen Newbies (Neulingen) bezüglich der Haltbarkeit der Chemikalien.

Dabei scheint die Erwartungshaltung vorzuliegen eine „eindeutige“ Antwort zu bekommen. Möglicherweise hat das mit der Sozialisierung zu tun- es gibt ja auch tausende Beiträge zum Thema MHD bei Lebensmitteln.

Fotoentwickler sind organische Gemische und im Prinzip mit Lebensmitteln vergleichbar. Das bedeutet, dass die Haltbarkeit von den Lagerbedingungen abhängt und als relativ sowie teilweise unsicher einzustufen ist.

Wir können also leider keinen Hinweis in die Produktbeschreibung aufnehmen nach dem Schema: der Entwickler hält ungeöffnet garantiert 2 Jahre und im geöffneten Zustand garantiert 6 Monate. Würde mann uns zwingen solch eine Beschreibung aufzunehmen lautete sie: Der Entwickler ist im ungeöffneten Zustand zwischen 12 Monaten und 100 Jahren und im geöffneten zwischen 2 Stunden und 5 Jahren haltbar.

Dieser Hinweis wäre also mit ziemlich wenig Aussagekraft gesegnet. Ihr müsst leider selber ran und „mitdenken“ (ich weiss, ist nicht immer beliebt).

 

Haltbarkeit von ungeöffneten Flaschen:

 

– Es muss einberechnet werden wie lange das jeweilige Konzentrat schon in der Handelskette verweilt hat*.

In der Regel sollte eine Flasche bei Lieferung durch den Händler kein Abfüll-Datum aufweisen welches deutlich älter als 12-15 Monate ist. Davon ausgehend sollte das ungeöffnete Konzentrat noch gut 12 weitere Monate haltbar sein.

– Die Lagerbedingungen haben Einfluss. Beim Händler sollte sicher gestellt sein, dass die Chemie kühl und trocken gelagert wird. Ideal sind Temperaturen um die 8°C wo die Konzentrate noch nicht ausfallen sämtliche Reaktionen aber verlangsamt stattfinden. Auf keinen Fall dürfen hochgesättigte Lösungen sehr kalt gelagert werden. Kommt es zu Kristallbildungen aufgrund von zu niedrieger Temperatur fehlen der Lösung wichtige Puffersubstanzen und sie altert schneller oder kippt plötzlich ganz um.

– Die Gasdichtigkeit der Flaschen ist von Bedeutung. Je dicker das Material ist- desto länger hält das Konzentrat. 5 Liter Kanister halten deutlich länger als 50ml Flaschen, da sie aus dickerem Material sind. Es ist eine gute Idee Fotochemikalien bei Ankunft in Glasflaschen umzufüllen. Das erhöht die Haltbarkeit.

– Das Oberflächen- zu Volumen verhältnis nimmt Einfluss. Auch hier ist der 5 Liter Kanister klar im Vorteil und die 50ml Flasche der Verlierer. Andereseits kauft man solche kleinen Mengen ja auch nicht um sie lange zu lagern sondern um sie sofort zu verbrauchen. So heben sich die Nachteile oft wieder auf.

 

Haltbarkeit nach Anbruch:

 

– Der wichtigste Faktor ist die Menge an Sauerstoff, welcher zur Reaktion zur Verfügung steht.

Also:

– Die Anzahl der Öffnungen mit Sauerstoffaustausch (der „gefangene“ Sauerstoff reagiert ab und verbraucht Puffer. Ist aller Puffer verbraucht „kippt“ der Entwickler)

– Die Frage ob danach Schutzgas verwendet worden ist oder Glasmurmeln eingeworfen wurden um alle Luft aus der Flasche zu verdrängen (Kunstofflaschen kann man anfangs auch quetschen). Alternativ kann das Konzentrat wieder mit Wasser aufgefüllt werden. Dann muss man aber mathematische Kapriolen schlagen weil sich die Verdünnung jedes mal ändert!

– Inwieweit eine Vorschädigung schon bei der Konzentratlagerung stattgefunden hat. Ganz frische Chemie verträgt wesentlich unsachgemäßeres Handling als welche die schon 15 Monate alt war beim ersten Öffnen.

– Wieviel Restmenge vorhanden ist. Eine fast Volle Flasche hält länger als eine Pfütze am Boden.

 

Wie erkennt man jetzt ob die Chemie noch gut ist?

 

Deutliche Indikatoren sind Ausfällungen. Treten bereits Ausfällungen auf (klunkert oder rasselt es beim Schüttlen der Flasche am Boden), dann ist die Chemie höchstsehrwahrscheinlich bereits unbrauchbar.

Die Ausfällungen werden oft begleitet von deutlicher Eintrübung der Konnzentrate im Vergleich zu frischer Chemie. Dabei muss man aber identische Chemie  vergleichen. Jeder Entwickler trübt anders. Trübung ist aber nicht immer ein KO-Kriterium. Der abgebildete ADONAL rechts ist zwar schon  fünf Jahre alt- würde aber noch einwandfrei entwickeln wohingegen der Kollege links „klunkert“ und damit selbst beim Rodinal/ADONAL Zweifel an der Verwendbarkeit gegeben sind. Ein anderer Sonderfall sind ISO-Ascorbat basierte Entwickler (NEUTOL ECO). Diese werden mit der Zeit gelblich-rötlich, arbeiten aber meistens auch dann noch zuverlässig.

Sind ausreichend Indizien für eine mögliche Überlagerung der Chemie vorhanden (Alter, Trübung, geöffnete Flasche) sollten Sie bei Filmentwicklern einen Test durchführen. Dazu können Sie entweder einen ganzen Testfilm opfern oder aber aber nur den Schnipsel der aus der Patrone geragt hat. Schreiben Sie sich die Zeit auf, die es bei frischer Chemie benötigt hat um den Schnipsel schwarz zu färben. Wenn sie später testen müssen sollte die Chemie keine spürbar längere Zeit dafür benötigen. Ist dieses der Fall kann die Chemie als Filmentwickler nicht mehr verwendet werden. Analog kann man mit Papier vorgehen. Erfahrene Fotografen merken beim Entwickeln, wenn der Entwickler hinüber ist.

 

Datum Kopie*ADOX arbeitet auftragsbezogen. Das bedeutet wir füllen immer frisch ab, wenn eine Bestellung hereinkommt (nicht ganz wörtlich zu nehmen aber innerhalb 4 Wochen sollten wir immer einmal rum sein). Dadurch versuchen wir die Verweildauer im Lager zu minimieren- haben aber nachdem das Produkt unser Haus verlassen hat keinen Einfluss mehr. Wir drucken daher zu Eurer Sicherheit das Produktionsdatum auf jede Flasche (achtung nicht das Haltbarkeitsdatum!). Außer bei Rodinal sollte eine Flasche bei Lieferung durch den Händler kein Datum aufweisen welches deutlich älter als 18 Monate ist.

 

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